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Luther ist überall

Ich habe den Eindruck, Luther ist zurzeit allgegenwärtiger, als der Herr selbst es ist. Luther umgibt uns als Playmobilfigur, im Lutherkeks, der Luthersocke, dem Lutherbier, der Luthertomate, in vielen, vielen Luthereichen, als Handpuppe nebst Ehefrau Katharina von Bora, am Frühstückstisch in Form der Luthertasse, im Luthercomic …

Das alles gibt es wirklich! Eine enorme Maschinerie wurde in Gang gesetzt, um im Jahre des Reformationsjubiläums Luther den Menschen näher zu bringen – wohingegen Luther versucht hat, den Menschen Gott näher zu bringen.

Ich habe mich gefragt, ob durch all diesen Aufwand die Reformation für mich greifbarer, Luther für mich wichtiger geworden ist. Und ich habe mich gefragt, ob es wohl in meinem Umfeld jemanden gibt, bei dem das so ist. Bei dem es wirklich „Klick“ gemacht hat und er sagt: „Aaaah! Das ist also Reformation!“

Erkenntnis und Verstehen lassen sich nicht herstellen, durch keine noch so große Merchandising-Kampagne. Erkenntnis und Verstehen hat auch Luther nicht her- sondern sie haben sich bei ihm eingestellt. Und zwar  durch langes, konzentriertes Arbeiten an den Grundlagen seines eigenen Glaubens, schlicht: durch wiederholte Lektüre der Bibel.

Vergangene Woche traf ich einen befreundeten Pastor. Er meinte, vor vielen Jahren sei sein Vorschlag zur  Feier des Reformationsjubiläums ein Sabbatjahr gewesen. Ein Jahr der Ruhe, der Konzentration, des  Studierens, des In-sich-gehens. Die Idee fand ich prima. Im Jahr des Reformationsjubiläums, des großen, 500-jährigen Jubiläums das tun, was Luther auch getan hat: Sich zur Klärung der großen Fragen des Lebens zurückziehen und sich hineinversenken in die biblischen Schriften. Und das ausdauernd tun, in der  Gewissheit, dass zur Klärung der großen Fragen da wirklich auch was drinsteht. Leider konnte mein Kollege  für seinen Vorschlag offenbar nicht genügend Anhänger finden…

Sei es, wie es sei, Reformationsjubiläum feiern, das heißt für mich: Dahin sehen, wo Luther auch hingesehen  hat. In die Schrift und auf Christus.

Und wenn ein kleiner Playmobil-Luther mir hilft, mich daran zu erinnern…? Na gut!

Pastorin
Eva Gotthold