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„Träumst du manchmal von einem anderen Leben?“

so die Frage auf meinem Display. Eeeeh… Nö!, denke ich. Tu ich nicht. Ich mag mein Leben. Echt. Ich bin ein Glückspilz. Ich lebe gern, allermeistens zumindest. Es sei denn, es ist Montagmorgen und keine Milch mehr im Kühlschrank für den Kaffee. Dann ist der Tag gelaufen.

Nach einem ausführlichen und wirklich wunderschönen Umweg über das Land der Musik bin ich in einem Beruf gelandet, der mich erfüllt. Ich arbeite in einem tollen Team, die Abwechslung ist mein Alltag, Worte, Klänge und Ewigkeit sind der Stoff, aus dem er gemacht ist. Ich lebe vielleicht kein konventionelles Leben – aber nein, von einem anderen Leben träumen, das tu ich nicht.

Wovon ich dann träume?

Es gibt da tatsächlich was. Vielleicht ist es eher ein Wunsch als ein Traum. Bewusst geworden ist er mir neulich im Michaeliskloster in Hildesheim: Ich wünsche mir Spielplätze. Ich wünsche mir Zeit, unverplant, ergebnisoffen, zweckfrei. Zeit, in der Geist und Seele spielen (und spinnen), in der Form und Gestalt gewinnt, was in den Tiefen des Seins schlummert. Zeit, in der ich dem Heiligen Geist die Fenster weit öffne, mich inspirieren lasse von dem, der meine Füße auf weiten Raum stellt, staune über die Fülle des Lebens an jedem Fleckchen Erde, zum Stift greife, zum Pinsel oder zum Instrument. Ich wünsche mir Freiräume mitten im Tag-für-Tag. Zeiten, die dafür sorgen, dass der Alltag aus dem Stoff bleibt, aus dem er ist: aus Worten, Klängen und Ewigkeit.

Ich denke: Diese Spielwiesen der Seele sind für uns Christen- und Kirchenmenschen notwendiger Luxus. Wir sind nicht allein dazu gesandt, unseren Laden zu verwalten. Wir sind nicht allein dazu da, Papier und Dateien abzulegen, Zahlen zu bändigen und Paragraphen zu reiten.

Den Himmel offenhalten. Dazu sind wir da. Auch und vor allem da.

Ich träume nicht von einem anderen Leben, aber ich wünsche mir Spielplätze mitten im Leben. Mein Motto für die Wochen bis Ostern: 7 Wochen mit Seelenspiel. Für offenen Himmel.

Ihre Pastorin                                                                                                                                             Eva Gotthold